Lesung mit Heinz Eggert

Lesung Heinz Eggert Im Rahmen der Galeriegespräche hatten Friederike und Frank für den 11. Oktober 2019 in die Galerie Findeisen eingeladen.
Unter dem Motto "Scheitern ist nicht schlimm, schlimm ist nichts versucht zu haben" waren Geschichten von und mit Heinz Eggert angekündigt.

Das Interesse an der Lesung war so groß, das über 50 Gäste in der Galerie waren und die Stühle nicht mehr ausreichten, dankenswerterweise stellte das benachbarte Chinesische Restaurant noch weitere zur Verfügung.
Am Ende war sogar die Treppe belegt, eine Veranstaltung, wie in studentischen Zeiten smiley:-)

Galerie Frank Findeisen Nach einer kurzen Einführung zu seinem Werdegang vom Stellwerkmeister und Fahrdienstleiter bei der Hafenbahn Rostock in der DDR über seine politische Funktionen in den 90-ern als Innenminister und auch Landtagsabgeordnetem in Sachsen bis hin zu seinen ehrenamtlichen und "hintergründigen" Funktionen in den 2000-er Jahren begann Heinz die Lesung. 

Viele interessante Begebenheiten aus seinem Leben hat er zu Papier gebracht. Mal lustig, mal tiefgründig, aber immer mit entsprechender Nachdenklichkeit verging die Zeit wie im Fluge. Dafür möchte ich mich stellvertretend für die Zuhörer bei Heinz Eggert bedanken.

Eine der Geschichtem darf ich hier mit freundlicher Genehmigung zum Besten geben ...

 

--- Zitat Anfang ---

... Kleider machen Leute

"Kommst du in Jeans, wirst du behandelt wie eine Jeans; kommst du im Anzug, wirst du behandelt wie ein Anzug." Diesen Spruch ausgerechnet von jungen Leuten zu hören, hat mich schon sehr verwundert. Aber offensichtlich hatten sie damit schon Erfahrungen gemacht.

Oder sie hatten gemerkt, wer sich den Erwartungen an seine Rolle entsprechend kleidet, hat es leichter, seine Position zu behaupten. Allerdings, wer genug Menschenkenntnis hat, wird andere nicht nur nach ihrem Äußeren einschätzen. Dachte ich immer!

1994. Ich fliege nach Zürich zu einer Konferenz über Drogenpolitik. In meiner Begleitung wie immer drei Personenschützer. Wobei ich natürlich auch in ihrer Begleitung sein könnte, denn Politiker mit Personenschützern sehen immer ein wenig aus, als würden sie gerade abgeführt. Wie immer auf Reisen, trage ich Jeans, ein offenes Hemd und ein Sakko.

Meine Personenschützern wie -fast- immer natürlich im Anzug.

Als ich als erster in Zürich die Gangway herunter gehe, begrüßt mich der Sicherheitschef des Flughafens, ein Mann mit großer Menschenkenntnis, um mich gleichzeitig zu fragen, wer von den Dreien denn der Minister sei. Ich zeige auf meinen Kraftfahrer, der dann höchst erstaunt ist, als Minister in Zürich begrüßt zu werden. Kleider machen Leute!

Jetzt ist Urlaub. Ich sitze im Cafe. An einem der Tische, in Jesuslatschen, abgewetzten Jeans und durchschwitzten T-Shirt ein Enddreißiger. Offensichtlich ein Aussteiger der wieder vergessen hat einzusteigen- denke ich. Er wirkt ein wenig fahrig und unkonzentriert. Dann bringt er seinen Kaffee mit an meinen Tisch und fragt mich nach der Waldschlösschenbrücke. Da mich das Thema inzwischen genauso nervt wie alle Dresdner, frage ich ihn bald darauf, was er beruflich mache. Grundstücksinvestitionen, sagt er knapp und fügt hinzu: aber erst ab 50 Millionen. Klar denke ich, das sieht man!

Aufschneiderei ist mir immer peinlich . Bald zahlt er und geht.

Der Kellner sieht ihm hinterher und meint, sowie der immer herumlaufe, sehe man ihm überhaupt nicht an, wie viel Kohle der habe. Ich frage nach, der Mann hatte die Wahrheit erzählt. Also doch! Stimmt sage ich, an der Kleidung sieht man es eben nicht immer.

Er zeigt diskret auf ein Pärchen, das uns die ganze Zeit über beobachtet hat.

Beide über 40. Sie fallen durch ihre sehr ausgewählte, modern-mondäne Kleidung auf.

Die schwarz gefärbten Haare der Frau, ihr aufgetragener dunkler Teint passen zu dem kleinen Mops, der auf ihrem Schoß sitzt und offensichtlich frisch aus dem Hundesalon gekommen ist. Ich schätze auf kunstgewerblichen Handwerker.

Falsch, sagt der Kellner, beide seit Monaten Hartz 4, aber taffe Leute, die sich nicht unterkriegen lassen.

Kleider machen Leute und auf die eigene Menschenkenntnis ist auch nicht immer Verlass. Vielleicht ziehen Politiker deshalb selbst auf Volksfesten immer Anzüge an, weil sie sich nicht auf die Menschenkenntnis des Volkes verlassen wollen. Oder?

---- Zitat Ende ----

Auch nachdenkliche Gedanken über seine Arbeit im Hospiz und den Tod hat er gelesen ... ich habe so manche Träne rollen gesehen ...

Heinz Eggert hat kein Buch herausgebracht, wie so viele andere ... seine Gedanken gibt es nur als pdf-Datei und er hat angeboten, wer sie alle lesen möchte, der wendet sich an meinen Mann, der schickt dann ein e-Mail ...

Wir danken Frank Findeisen und seiner Frau Friederike für diesen tollen Abend und hoffen sehr, das diese Reihe von interessanten Ateliergesprächen fortgesetzt wird.

Marion Forker

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